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30.01.2010

[Free mp3/eBook] Du bist mîn, ich bin dîn ...

Eine unbekannte Dichterin (~1200) hat diesen schönen Vers hinterlassen. Das Gedicht findet sich am Ende eines ansonsten in lateinischer Sprache geschriebenen Briefes einer hochgestellten Dame an ihren Lehrer, einen Geistlichen.

Amicita. Thema des Briefes ist die "amicitia", die Freundschaft. Im darauffolgenden Brief wirbt der Geistliche um die Dame, die ihn aber in einem dritten Brief klar abweist - sie hat das Gedicht offenbar eher platonisch gemeint.

Alle drei Briefe stammen aus einer Briefsammlung des Werinher von Tegernsee, die uns in einer um 1200 geschriebenen Handschrift erhalten ist (heute in der Münchner Universitätsbibliothek, Codex lat. 19411). Die Verfasserin ist leider unbekannt.

Du bist mîn, ich bin dîn:
des solt du gewis sîn;
du bist beslozzen in mînem herzen,
verlorn ist daz slüzzelîn:
du muost och immer darinne sîn.

Übersetzt würde das heißen:

Du bist mein! Ich bin dein.
Das soll gewiss so sein.
Du bist fest in meinem Herzen.
Verloren ist das Schlüsselein.
Musst wohl für immer drinnen sein!