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26.02.2010

Die Wiedergeburt des Mackenroth-Theorems

"Nun gilt der einfache und klare Satz, dass aller Sozialaufwand immer aus dem Volkseinkommen der laufenden Periode gedeckt werden muss. Es gibt gar keine andere Quelle und hat nie eine andere Quelle gegeben, aus der Sozialaufwand fließen könnte, es gibt keine Ansammlung von Periode zu Periode, kein "Sparen" im privatwirtschaftlichen Sinne, es gibt einfach gar nichts anderes als das laufende Volkseinkommen als Quelle für den Sozialaufwand. Das ist auch nicht eine besondere Tücke oder Ungunst unserer Zeit, die von der Hand in den Mund lebt, sondern das ist immer so gewesen und kann nie anders sein."(Gerhard Mackenroth: Die Reform der Sozialpolitik durch einen deutschen Sozialplan, in: Schriften des Vereins für Socialpolitik NF, Band 4, Berlin 1952, S. 4)

Das Mackenroth-Theorem (des Statistikers! Mackenroth) berührt die aktuelle Debatte, nämlich die um die Alterssicherungssysteme. Gemäß diesem Theorem macht es keinen Unterschied, ob das Alterssicherungssystem auf einer Umlagefinanzierung (z.B. die gesetzliche Rentenversicherung) oder einem Kapitaldeckungsverfahren (z.B. die private Altersvorsorge) beruht. Der Grund ist, dass die laufenden Zahlungen an die Pensionsberechtigten und damit ihre Ansprüche an das reale Sozialprodukt aus dem laufenden Einkommen finanziert werden müssen. Demnach ist es unerheblich, ob die Ansprüche an das Sozialprodukt über Rückstellungen (privatwirtschaftliches Sparen) oder durch eine Umlage entgolten werden. Letztlich müssen die gegenwärtigen Pensionsansprüche durch die Bereitstellung einer entsprechenden Menge an Güter und Dienstleistungen aus dem heutigen Sozialprodukt befriedigt werden.

Privatvorsorge funktioniert nicht. Tatsächlich trägt die teilweise Umstellung auf private Vorsorge nichts zu einer größeren Zukunftssicherheit bei. Sie ist weder sicherer noch gerechter, sie "entlastet" weder heutige noch zukünftige Generationen und fördert auch nicht das Wirtschaftswachstum. Und sie kostet volkswirtschaftlich betrachtet Ressourcen - für Vertrieb und teuren Betrieb der Privatvorsorgemodelle nämlich. Ebenso falsch ist die Ansicht, die Finanzierung der künftigen Rente per Umlageverfahren werde aus demographischen Gründen unmöglich. Dennoch fiel es bis zur gegenwärtigen Krise schwer, der geballten Propaganda gegen die gesetzliche Pensionsversicherung zu widerstehen. Die konservative wirtschaftsliberale Propaganda hatte das Umlageverfahren als unsolide verteufelt, als ein System, das angeblich auf ungedeckte Schecks setze. Tatsächlich zeigt nun das Betriebspensionen-Modell mit aller Deutlichkeit, wer auf ungedeckte Schecks setzt!