Der heilige Karl: Mit Feuer und Flamme für die Kirche
"Reformer – Heiliger – Vorbild": Unter diesem Motto wurde im Oktober 1988 der 450. Geburtstag des Patrons von Hohenems, des hl. Karl Borromäus (1538-1584), mit einer Ausstellung im gräflichen Palast und einem prächtig ausgestatteten Katalog gefeiert. In der Vorarlberger zeitschrift KULTUR, 3. Jg., 1988, Nr. 10, S. 16-18 erschien damals ein Beitrag von Dr. Kurt Greussing, der sich mit dem "Hohenemser Heiligen" - immerhin war er mit den Hohenemser Grafen verschwägert - auseinandersetzte. Wir zitieren daraus:
"Karl Borromäus hatte als päpstlicher Visitator der Schweiz zwar kirchliche, aber keine weltlichen Vollmachten, um die protestantischen Ketzer zu vertreiben und den katholischen Glauben wiederherzustellen. Als er 1583 vom Generalrat des überwiegend katholischen Misoxertales um Hilfe gegen die Protestanten angegangen wurde, fand sich ein Ausweg. Da die Protestanten den Schutz der Landesgesetze genossen und darum nicht der Ketzerei angeklagt werden konnten, wurden sie von Borromäus und seinen Inquisitoren der Hexerei bezichtigt. 108 Personen kamen vor Gericht – vielfach aus Italien geflohene Protestanten. Wahrend die meisten unter der Folter in den Schoß der Kirche zurückkehrten, wurden zehn Frauen und ein Mann der weltlichen Exekutivgewalt übergeben und verbrannt. Ein paar der "Hexerei" überführte Kinder fanden Milde vor dem Erzbischof und wurden im Hinblick auf ihr Alter zu bloßen Kirchenbußen begnadigt.
Im benachbarten Calancatal wurden weitere Frauen – "donne diaboliche" – bezichtigt und gefoltert. Von den 50 protestantischen Familien des Tales soll, als Borromäus nach einem Monat die Gegend verließ, keine mehr übrig geblieben sein. Über die Verbrennungen in jenem November 1583 berichtete der Priester, der den gequälten Opfern die Absolution erteilte: "Rings herum auf dem Platze stand eine unabsehbare Menge, zu Tränen gerührt und schrie mit lauter Stimme: Jesus! und auch von dem Scheiterhaufen her, wo diese Elenden brieten, vernahm man derartige Rufe, vermischt mit dem Knistern des Feuers. Zum Unterpfand des Heils hatten sie am Halse den heiligen Rosenkranz..."
Johann-August-Malin-Gesellschaft. Die Johann-August-Malin-Gesellschaft macht auf ihrer Website Texte zugänglich, die ihr für die geschichtswissenschaftliche Diskussion in Vorarlberg wesentlich erscheinen und in Zusammenhang mit ihrem selbstgewählten Arbeitsbereich stehen. Darunter ist auch dieser Beitrag von Dr. Kurt Greussing online bzw. als kostenfreie PDF-Datei zum Herunterladen.
- Links:
Kurt Greussing
Der heilige Karl: Mit Feuer und Flamme für die Kirche
Ketzerische Nachbemerkungen zur Hohenemser Borromäus-Ausstellung
Erschienen in: KULTUR, 3. Jg., 1988, Nr. 10, S. 16-18


