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25.02.2010

Flashmob - Politische Blitzmeuten, Fluxus, Luxus versus Lemmingstreffen

Der Begriff Flashmob (flash – Blitz; mob – von mobilis – beweglich), auch Blitzauflauf, bezeichnet das geplante Zusammentreffen von vielen Menschen zur Durchführung einer bestimmten abgefahrenen Handlung zu einer ganz bestimmten Uhrzeit – z.B. einfach mal in der Bewegung einfrieren oder herumspringen.

Die "Flashmobber" verabreden sich in der Regel über das Internet oder per Ketten-E-Mails. Typisch für einen "Flashmob" ist, dass er scheinbar aus dem Nichts heraus entsteht und sich nach einigen Minuten von selbst wieder aufzulösen scheint. Schlagzeilen machte ein Flashmob auf Sylt, bei dem sich Tausende Jugendliche zu einer Riesenparty versammelt hatten. Beliebt sind so genannte "Freezemobs": Hier versammeln sich Menschen spontan an einem öffentlichen Ort und bleiben alle zu einem bestimmten Zeitpunkt gleichzeitig stehen.

Fluxus und Soziale Skulptur. Die Bezeichnung Soziale Skulptur stammt von dem Fluxus-Künstler Joseph Beuys. Damit ist eine Gestaltung aller gesellschaftlicher Formen und Zusammenhänge gemeint, und zwar eine Gestaltung, in der jeder als Künstler gefragt ist und in der alles unter dem Anspruch eines Kunstwerkes gesehen wird. Auch Fluxus liegt nahe:  Collageartig komponierte Aktionsabläufe, die auf Grund des Zusammentreffens von akustisch-musikalischen und choreographischen Ausdrucksformen als "Konzert" bezeichnet wurden und oft von mehreren Künstlern im Kollektiv aufgeführt wurden. Fluxus verstand sich als Spaß und Bewußtseinserweiterung, Fug und Unfug.

Viral-Marketing. Das besondere ist aber nicht immer die Aktion an sich, sondern ihre Folgen: die Passanten haben nämlich keine Ahnung, was mit ihnen geschieht. Sie reagieren verdutzt, verwirrt oder vollkommen verrückt. Viele zücken ihr Handy und stellen die Videos ins Internet. Die Verbreitung ist garantiert viral und das Potenzial enorm!

Critical Mass. Während einerseits das Ganze etwas von einem Lemmingstreffen hat, wo jedes Pünktchen Teil einer großen Sache sein will, entwickeln sich daraus auch neue Formen, etwa nach der Critical Mass-Technik.
Critical mass (Kritische Masse) ist eine international verwendete Aktionsform, bei der sich mehrere nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer scheinbar zufällig und unorganisiert treffen, um mit gemeinsamen und unhierarchischen Protestfahrten durch Innenstädte mit ihrer bloßen Menge und ihrem konzentrierten Auftreten auf ihre Belange und Rechte gegenüber dem motorisierten Individualverkehr aufmerksam zu machen.

Flashmob erreicht Politik. Das "Living-Theatre" der Flashmobs wird längst auch schon für das Marketing verwendet, so als auf dem Berliner Alexanderplatz zweinhalbtausend Flachmobber um Burger bei McDonald anstanden.

Politisch motivierte Flashmobs sind bislang eher die Ausnahme. Die Internet-Bewegung Flashmob greift jetzt aber auch aktiv in Wahlkämpfe ein. So musste dies die deutsche Bundeskanzlerin Merkel erfahren, als bei ihrem Hamburger Wahlkampfauftritt die Flashmobber nach jedem Satz Merkels ein lautes "Yeah!" zum Besten gaben. Das scheint aber mehr Mobbing denn Flashmob zu sein.

Selbst die CDU hatte einen Flashmob (Fahrrad - Eigenverantwortung - Respekt) organisiert. Es war aber eine reine Wahlkampfveanstaltung und für die Medien gedacht, sozusagen eine erweiterete Plakatwand.

Politischer ist dies: Die deutsche Gewerkschaft ver.di, hatte auch schon mit einem Flashmob einen Einzelhandelsbetrieb lahm gelegt, in dem Streikbrecher arbeiteten. Durch das Abstellen von gefüllten Einkaufswagen und dem ständigen Kauf von einzelnen, kleinen Artikeln wurde so ein normaler Betrieb unmöglich gemacht.

Phonemob. Hans Magnus Enzensberger will laut einem Spiegel-Bericht den Flashmob schon in den 1980ern in Schweden entdeckt haben. Dort stellten Jugendliche über das öffentliche Telefonnetz den Flash her.

An Kreativität mangelte es den deutschen Atomgegnern nie. Mit einer Telefondemonstration unter dem Motto "Bürger fragen nach!" protestierten zahlreiche Bürger in Deutschland gegen längere Laufzeiten für Atomkraftwerke. In den Büros zahlreicher Mitglieder der für Energie und Reaktorsicherheit zuständigen Koalitions-Arbeitsgruppen klingelten unaufhörlich die Telefone.Die Bürger bestürmen die Politiker mit Fragen zum Atomausstieg. Während in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung CDU/CSU und FDP über einen Koalitionsvertrag verhandelten, stellte Campact gar eine Telefonzelle vor das Gebäude, von der Bürger die Mitglieder der Verhandlungskommission oder deren Mitarbeiter anrufen könnten.

Wanderungen. Flashmobs als politische Veranstaltung, ja als Demonstration politischer Interessen und Inhalte sind nicht einfach kopierbar. Für Propaganda schlechthin erst recht nicht. Montagsdemos oder die kollektiven Spaziertage der Arbeiterbewegung am 1. Mai als das offizielle Demonstrieren verboten war, sind wohl nicht ohne Ähnlichkeit doch gänzlich anders strukturiert.

Trotzdem lohnt es sich über Flashmobs als politisches Instrument nachzudenken. Ein paar Ansätze liefert ja der ver.di - Arbeitskampf , Critical Mass und der Phonemob, die es mit Augenmaß und Kreativität zu politischen Aktionsformen weiterzuentwickeln gilt.