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21.02.2010

[Free eBook] Die deutsche Rechte und das Südtirolproblem 1919-1933

Im März 1938 zog Hitler aus Dankbarkeit über die positive Reaktion Mussolinis beim Anschluß Österreichs eine "klare Grenze" gegenüber Italien am Brenner. und es begannen Gespräche zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und dem faschistischen Italien, um das Problem der Südtiroler deutschsprachigen Volksgruppe, das zwischen den Partnern der Achse Berlin-Rom stand, einer dauerhaften "Lösung" zuzuführen.

Option. In Sachen Südtirol pflegen die Rechten - namentlich auch die FPÖ und die Burschenschaften weiterhin einen nationalistischen  Opfermythos. Was folgte, war die sogenannte Option: Die Südtiroler wurden vor eine kurzfristig zu treffende und endgültige Wahl gestellt: Umsiedlung ins Reich und damit Aufgabe der Heimat, oder Beibehaltung der italienischen Staatsbürgerschaft, verbunden mit dem unwiderruflichen Verzicht auf alle kulturellen Rechte als deutschsprachige Minderheit.

Was war diesem Paradoxon vorausgegangen, als die Diskussionen der deutschen Rechten noch unter demokratischen Rahmenbedingungen stattfinden konnten?

Südtiroldiskurs der Weimarer Republik.
Als die Nazis in Deutschland an die Macht gelangten war die noch Mitte der 1920er Jahre leidenschaftlich geführte Debatte um Südtirol weitestgehend verstummt und Hitler konnte sich mit gutem Recht als ihr Sieger fühlen, wenngleich die Ansprüche auf Südtirol bei vielen dadurch keineswegs aufgegeben waren.

Die Arbeit untersucht den Südtiroldiskurs der deutschen Rechten zur Zeit der Weimarer Republik im Spannungsfeld von Volkstumsdenken und Revisionismus. Sie stützt sich vor allem auf - größtenteils bislang unbearbeitete - Akten- und Zeitschriftenbestände des Bayerischen Hauptstaatsarchivs.

Ein "Südtirolproblem", das letztlich von keiner der Strömungen der Weimarer Rechten, von traditionell-konservativ bis radikal-völkisch, gelöst werden konnte, stellte sich dabei auf mehrfache Weise:

Zum einen für die deutsche Rechte insgesamt, da in Südtirol seitens des italienischen Staates auf besonders drastische Weise der Versuch unternommen wurde, einer durch die Pariser Vorortverträge unter neue Herrschaft geratenen deutschsprachigen Bevölkerung "ihr Deutschtum zu entreißen".

Zweitens stellte sich das Problem innerhalb der deutschen Rechten, weil Südtirol die einzige Frage einer auslandsdeutschen Minderheit war, in der sich, durch die Verzichthaltung Hitlers und der NSDAP bedingt, grundsätzliche Differenzen in der Bewertung ergaben.

Schließlich ergab sich drittens ein Problem innerhalb der Rechten, da das Aufwerfen der Südtirolfrage im Verlauf der Weimarer Jahre in immer stärkeren Gegensatz zu den weit verbreiteten Sympathien der Rechten mit dem italienischen Faschismus geriet.