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07.02.2010

Alfred Adler (*7.2.1870-†28.5.1937)

Alfred Adler (* 7. Februar 1870 in Wien; † 28. Mai 1937 in Aberdeen/Schottland) war ein österreichischer Arzt und Psychotherapeut jüdischer Herkunft (1904 zum Protestantismus konvertiert).

Sigmund Freud.  Adler studierte in Wien Medizin und arbeitete nach seiner Promotion an der Wiener Universität zunächst mehrere Jahre als Augenarzt in einem Krankenhaus und eröffnete im Jahre 1900 eine Privatpraxis für Allgemeinmedizin. Sehr bald stellte er fest, dass viele körperliche Leiden, über die seine Patienten klagten, mit den herkömmlichen medizinischen Mitteln nicht zu beheben waren.

Um seinen Patienten besser helfen zu können, studierte er Psychiatrie. Ursprünglich war er ein Schüler, später ein Gegner Freuds. Sigmund Freud forderte ihn 1902 auf, seiner Studiengruppe beizutreten. Im Laufe der gemeinsamen Arbeit entwickelte Adler aber seine eigenen Ansichten, weshalb es 1911 zu einem offenen Bruch zwischen den beiden kam.

Tiefenpsychologie. Adler begründete nun seine eigene Auffassung der Individualpsychologie - einer Richtung der  Tiefenpsychologie - mit einer eigenen Schule und einer eigenen Zeitschrift. 1911 verließ Adler Freud und seinen orthodoxen psychoanalytischen Zirkel und begründete mit dem "Verein für Individualpsychologie" eine eigene tiefenpsychologische Schule, die auf Grundlage der Psychoanalyse die moderne Humanistische Psychologie bald entscheidend beeinflusste.

Er war damit der erste Schüler, Mitarbeiter und Freund Freuds, der dem Begründer der Psychoanalyse den "Rücken kehrte". Seit 1926 lebte Adler mit seiner Ehefrau, Raissa Timofejewna, einer Russin und einer leidenschaftlichen Gegnerin der Zarenregierung in Russland, und seinen vier Kindern die meiste Zeit in den USA und lehrte als Gastprofessor an der Columbia University und dem Long Island College of Medicine, wenn er nicht gerade auf einer Vortragsreise außerhalb der Staaten war. 1935 siedelte er mit seiner Familie ganz in die Vereinigten Staaten über. Hier fand seine Psychologie grosse Beachtung und Anerkennung bis in die Gegenwart.

Während einer Vortragsreise starb Alfred Adler 1937 in Aberdeen.

Individualpsychologie. Die Individualpsychologie Alders gehört mit der Psychoanalyse Siegmund Freuds und der Analytischen Psychologie C.G. Jungs zum Fundament der modernen Psychologie. Der Name "Individualpsychologie" sollte auf die Unteilbarkeit und Einzigartigkeit des Individuums hinweisen. Adler wollte sich mit dieser Namensgebung von Freud abgrenzen, der das Psychische in verschiedene Systeme aufgeteilt hatte. Dagegen sieht die Individualpsychologie den Menschen als soziale Ganzheit und nach einem Ziel strebende Einheit an.

Mängelwesen. Die Minderwertigkeitsgefühle sind in der Individualpsychologie der Dreh- und Angelpunkt, das zentrale Element, um das alles andere kreist. Minderwertigkeitsgefühle sind nach Adler etwas allgemein menschliches, nicht etwas, von denen nur einige oder viele Menschen betroffen sind. Die Auseinandersetzung mit dem Minderwertigkeitsgefühl werde - wenn nicht richtig gelöst - Ursache für Neurosen, könne aber auch Ursache für Kultur werden. Das Minderwertigkeitsgefühl dränge zu Wachstum und Entwicklung. Deshalb sei ein Kind erziehbar, ahme die Eltern nach. Wir seien von Natur aus Mängelwesen. Deshalb entwickelten wir Wissenschaft und Technik.

Geltung über alles. Nicht Lust wie bei Freud, sondern aus dem Minderwertigkeitsgefühl resultierendes Geltungsbedürfnis, Machtstreben und Sicherheitsstreben oder soziale Kompensationsbestrebungen sind nach Adler die Hauptziele der psychischen Aktivität.