YouTube: Der Teppich von Bayeux, animiert
Der Teppich von Bayeux, der die Geschichte der normannischen Invasion in England anno 1066 erzählt, wird hier mit heutigen technischen Mitteln in seiner ursprünglichen Absicht weitergedacht. Er kann durchaus in Zusammenhang mit Comicstrips und Filmtechniken tausend Jahre später gesehen werden, wenngleich das Wort "Vorläufer" eben wegen des großen zeitlichen Abstandes nicht passend ist.
Schlacht von Hastings. Entstanden um 1070/80, ist der Wandbehang von ursprünglich wohl über 70 Metern Länge (erhalten sind 68,38 Meter) und 45,7 bis 53,6 cm Höhe, ein schmaler, sehr langer Streifen aus Leinwand, der fortlaufend bestickt ist mit 60 farbigen Bildszenen aus der damals jüngstvergangenen Geschichte: Er berichtet, wie Wilhelm , Herzog der Normannen König von England wurde.
Nicht nur das Material Leinwand erinnert an ein Kino. Es ist ein echtes mittelalterliches Kopfkino, die Fähigkeit, Konzepte, Ideen oder Bilder zu erinnern und auch die Erzählweise von modernen Comics (die Kombination von Grafik und Text) macht den Teppich zu einem einzigartigen Dokument.
Ein früher Comicstrip der späten Wikingerzeit. Ein besonderes Merkmal des Teppichs ist die kontinuierende Darstellungsweise. Durch Bäume und hohe, turmartige Architekturelemente wird die Bildererzählung gegliedert. Er ist aus acht schmalen Stoffbahnen zusammengenäht und sieht damit wie ein langes Band aus. Die Farben der Wollstickerei sind in ihrer ursprünglichen Frische erhalten. In insgesamt 58 Szenen angefüllt mit Bewegung und Dramatik treten Menschen aller Schichten auf, neben ihnen aber auch zahllose Tiere, Bäume, Schiffe, Waffen und Gebäude. Am oberen Schmuckrand erläutert ein durchgehend eingestickter lateinischer Text die Handlung.
Die technische und künstlerische Durchführung ist von höchster Qualität: Die Farben schaffen Kontrast und Tiefenschärfe; Gesten und Gesichtsausdrücke, die Bauweise der Häuser und die reich verzierten Gewänder sind deutlich zu erkennen, die Beschriftungen ungewöhnlich leicht lesbar. Ebenso sind die Menschen Bestandteil der fortschreitenden Darstellung und oft gehen die Bildszenen ineinander über. An keiner Stelle aber stört ein abrupter Wechsel des Ortes oder ein zeitlicher Bruch den Ablauf der Ereignisse. Wo durch trennende Bäume oder Türme ein Bild sich zu isolieren droht, werden Überleitungsfiguren plaziert. Dies sind z.B. Boten, Späher, Spione oder Personen, die mit dem Finger auf die Hauptakteure zeigen, so das Geschehen transparent machen und die Handlung weitertreiben.
Erbstreit. Weil König Edward von England kinderlos geblieben war, hatte er Wilhelm zu seinem Nachfolger bestimmt und seinen Schwager Harold Godwinson, den Grafen von Wessex, in die Normandie geschickt, um dies Wilhelm mitzuteilen. Harold ließ sich jedoch selbst zum König krönen, woraufhin Wilhelm mit seinem Heer nach Südengland übersetzte.
Halleysche Komet. Berühmt ist der Teppich auch wegen der Dokumentation des Halleyschen Kometen. Der Berichtszeitraum der um 1070 bis 1080 entstandenen Darstellung umfasst nahezu ein Jahr, von der Abreise Harolds in die Normandie Anfang November 1065 bis zur Schlacht von Hastings am 14. Oktober 1066. Im April 1066 erschien der später nach Edmond Halley benannte Komet am Himmel über Europa und wurde als Zeichen für Harolds unrechtmäßige Thronbesteigung und seine bevorstehende Niederlage interpretiert. Auf dem Teppich sind Männer zu sehen, die erregt auf den großen Schweifstern am Himmel deuten.
- Links:
You Tube: Bayeux Tapestry
www.youtube.com/watch=http://weblog.histnet.ch/archives/373
Der Teppich von Bayeux: Die erzählte Geschichte in vier Teilen
www.equites-normanorum.de/publikationen/teppich-bayeux.html
Der Teppich von Bayeux "Diashow"



