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20.07.2009

Ampelkennzeichnung muss her: Kindernahrung häufig zu fett und zu süß

Täuschen und tarnen . Das gilt oft für die Werbung mit Lebensmitteln. Ein Bild etwa suggeriert, dass es sich um ein gesundes Produkt handelt, aber beim genaueren Hinsehen wird der schöne Schein oft schnell entzaubert. Auch die aktuelle Diskussion um Käse-Imitate zeigt, dass oft nicht drinnen ist, was drauf steht. Und für Kindersnacks gilt, gesundes Naschen gibt es nur in der Werbung.

Ampelregelung. Die Lebensmittel-Ampel hat vier Lichter, je eins für Fett, gesättigte Fette, Zucker und Salz. Diese sind entweder rot, gelb oder grün, je nachdem, ob viel, mittel oder wenig Fett, gesättigte Fette, Zucker und Salz im Produkt vorkommen. Eine Zahl im jeweiligen
Licht gibt tatsächliche Menge am jeweiligen Nährstoff an, die mit einer Portion gegessen/getrunken wird. Ein auf Farben und wenigen Zahlen basierendes Modell wäre ein wertvolles „Tool“. Österreich muss sich dafür einsetzen, dass die Nährwertkennzeichnung EU-weit verpflichtend wird und wesentliche Informationen in einfach verständlicher Form dargestellt werden.

Gefahrenzone Kindernahrungsmittel. Ein aktueller AK-Wien Test von 41 Kinderlebensmitteln zeigt: Zwei von drei der untersuchten Produkte sind nicht empfehlenswert und sollten demnach nur selten konsumiert werden. Sie sind häufig zu fett und zu süß. Vitamine werden oft nicht gezielt und damit sinnlos verabreicht.

In die Untersuchung einbezogen wurden Produkte mit der Bezeichnung Kinder oder die eine attraktive an Kinder gerichtete Aufmachung hatten, etwa Comicfiguren, oder deren Werbung sich ausdrücklich an Kinder richtete. Für den Test wurden süße Snacks (14), pikante Snacks (neun), Snacks zum Löffeln (13), Zückerle und Süßwaren (fünf) eingekauft – beispielsweise Pumuckl Kinderkäsle, Happy Joghurt, Schokini, Fruchtzwerge oder Milchschnitten. 35 Produkte konnten beurteilt werden, bei sechs fehlte die Nährwertkennzeichnung.

Zu süß, zu fett und zu salzig. 68 Prozent der beurteilbaren Kindersnacks sind nicht empfehlenswert nach ernährungswissenschaftlicher Bewertung und sollten daher allenfalls selten gegessen werden. Weitere 14 Prozent sind nur bedingt empfehlenswert:

Die Ergebnisse:

  • Der Zuckergehalt ist bei 54 Prozent der überprüften Produkte hoch.
  • Der Fettgehalt ist bei 34 Prozent hoch.
  • Der Anteil an unerwünschten gesättigten Fettsäuren ist bei 28 Prozent zu hoch.
  • Der Salzgehalt ist bei elf Prozent hoch.
  • Willkürliche Vitamin- und Mineralstoffanreicherungen: Von den Produkten (15 Prozent), die mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind, werden 83 Prozent hinsichtlich Anreicherung als nicht sinnvoll oder nur bedingt sinnvoll beurteilt.
  • 92 Prozent der beurteilten Kinderprodukte enthalten Zusatzstoffe.
  • Bei acht Prozent der Produkte sind aus Konsumentensicht unverwünschte Azofarbstoffe enthalten, die im Verdacht stehen Allergien auslösen und zu Hyperaktivität bei Kindern beizutragen. Für bestimmte Azofarbstoffe wird gemäß der EU-Zusatzstoffverordnung nach Ablauf einer Übergangsfrist künftig der Hinweis zwingend vorgeschrieben sein: „kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“.

Werbung mit vielen Versprechen. Ein Zehntel der untersuchten Produkte enthält gesundheitsbezogene Aussagen. 39 Prozent enthalten nährwertbezogene Aussagen, davon sind aber nur 75 Prozent entsprechend korrekt etikettiert.

34 von 41 Produkten (83 Prozent) weisen allgemeine Werbebehauptungen auf, etwa sinnvolle Zwischenmahlzeit, Hinweis auf Milch und Milchbestandteile, Verzicht von Farbstoffen oder Konservierungsstoffen oder künstliche Aromen oder haben Sammelbildchen und Spielzeugbeigaben. Auf die Zielgruppe Kinder hinweisende Sujets (insbesondere Comics) finden sich bei allen.

Konsumenten werden oft getäuscht. Sehr oft sind auf Produkten Bilder, Fantasiebezeichnungen oder es werden einzelne Aspekte bei der Zugabe besonders hervorgehoben. KonsumentInnen haben dadurch bestimmte Erwartungen, die sich nicht wirklich erfüllen. Erst wer genau die Details zur Zusammensetzung ansieht, kommt oft drauf, dass die Wirklichkeit anders aussieht. Ein Beispiel: Werden Früchte abgebildet, so herrscht Unklarheit über den Fruchtgehalt.

Verbraucher und Experten wünschen sich verlässliche, leicht auffindbare und verständliche Nährwertinformationen wollen und vor allem Fett, Zucker und Kalorien interessieren. Fast jeder Konsument würde gerne "gesünder" essen, wenn’s leichter wäre. Keiner will Gewicht zulegen, viele wollen abnehmen oder ihr Gewicht zumindest halten.

Die derzeitige Nährwertkennzeichnung reicht allerdings nicht aus und ist kaum verbraucherfreundlich. Sie ist schwer auffindbar oder gar nicht vorhanden. Oft sind die Angaben verwirrend, weil umgerechnet werden muss. Die EU will die Nährwertkennzeichnung neu regeln. Die politische Diskussion darüber läuft auf Hochtouren. Das Europäische Parlament wird sich jetzt nach den EU-Wahlen damit befassen.