[Vorarlbergensia] Die Burganlage Alt-Ems
Die Burganlage Alt-Ems mit sieben Toren, einer Zugbrücke und 47 Räumlichkeiten war einst eine der größten Burganlagen im süddeutschen Raum. In 740 Metern Meereshöhe, 300 Meter über dem Rheintal und einer ursprünglichen Länge von 800 Metern und eine Breite von bis zu 85 Metern war sie nicht nur eine außergewöhnliche Langburg sondern auch eine Anlage, die eigentlich alle nennenswerten Bestandteile einer "Ritterburg" des Mittelalters bilderbuchartig hatte:
Zugbrücke - Vorburg - Burghof (Zwinger) - Wirtschaftsgebäude - Mauertürme - Palas - Kemenate - Kapelle - innerer Burghof - Bergfried
Alt-Ems. Die wahrscheinlich schon um 1130 unter den Welfen erbaute Burg Alt-Ems ("alt" = hoch, Höhe,) ging 1179/1191 in Staufischen Besitz über. 1160 wird der erste Emser, ein Hainricus de Amedes (Amides, Ems), als Zeuge in einer Urkunde erwähnt. Die Brüder "Rudolfus et Goswinus de Amides" tauchen nach 1170 als Ministerialen des Staufers Friedrich v. Schwaben auf.
Dunkles Mittelalter. Die Reichsministeriale waren mit der Burghut der in einem königlichen Forstgebiet erbauten Reichsburg Ems und der Sicherung der Reichsstraße nach Italien beauftragt. Kaiser Heinrich VI. vertraute 1195 den geblendeten und entmannten Normannenkönig Wilhelm III. von Sizilien, den Sohn des Tankred von Lecce, zur Bewachung auf der Burg Ems an, wo dieser nach nur zwei Jahren 1197 verstarb. Der jugendliche Normannenkönig Wilhelm III. von Sizilien war der erste hochadelige Gefangene auf Alt-Ems. Um 1206 war Bischof Bruno von Köln ein weiterer prominenter Gefangener auf der Burg.
Minnesänger. Ja selbst der Minnesänger fehlte nicht, auch wenn er kein Minnesänger im eigentlichen Sinne war. Zwischen 1235 und 1238 nannte sich Rudolf von Ems, der Minnesänger, in seinen Dichtungen einen "Dienstmann ze Muntfort". Er starb 1254.
Burgkapelle. 1268 gelangten die Emser in den reichsunmittelbaren Ministerialenstand. Die wahrscheinlich schon 1311 bestehende Burgkapelle wurde 1351 dem Hl. Konrad geweiht. Ritter Ulrich I. (gest. um 1360) bekam 1343 die Erlaubnis zum Bau einer weiteren Burg Neu-Ems/Glopper.
Habsburg. 1362 wandten sich die Emser Brüder Rudolf, Ulrich, Manquard und Egolf dem Hause Habsburg zu und traten in dessen Dienste.
1407 wurden die Burgen Alt- und Neu-Ems von den Appenzellern belagert und zerstört. Beide Burgen wurden danach wieder aufgebaut.
Um 1500 erfolgten weitgehende Um- und Zubauten auf Alt-Ems. 1533 stifteten die Gebrüder Georg Sigmund v. Ems und Ritter Wolf Dietrich eine Kaplanei auf der Burg. Im Bereich der Küche wurde bei der Grabung ein Teil eines Schlusssteines einer Tür oder eines Fensters mit der Jahreszahl 1537 gefunden.
Reichsgrafen. Am 27. April 1560 erhob Kaiser Ferdinand I. die Reichsritter von Ems in den Reichsgrafenstand. Es ist anzunehmen, dass die Burg unter dem ersten Grafen Jakob Hannibal I. (1530-1587), Sohn Wolf Dietrichs, eine festungsmäßige Ausstattung bekam.
Martino Longo. 1566 war der italienische Baumeister Martino Longo in Ems mit dem Bau des Palastes am Fuße des Schlossberges beschäftigt. Zu diesem Zeitpunkt führte Longo ebenso Reparaturen und Ergänzungsarbeiten auf der Alt-Ems durch. Beispielsweise wurden um den Konradsbrunnen Steinornamente mit sechs Gesichtern angebracht. Er ließ auch die Miß, den benachbarten Hügel, zusätzlich befestigen. Die eingemeißelte Jahreszahl 1563 an einem Felsen der so genannten Poppa (Güggelstein) zeugt von diesem Aufenthalt.
Im Sommer 1618 erfolgten unter Graf Kaspar von Hohenems (1573 – 1640) einige Ergänzungs- und Ausbesserungsarbeiten auf der Alt-Ems. Dies betraf vor allem die Vorbefestigungen (Miß). Außerdem wurde der Palast im Dorfe fertig gestellt.
Graf Karl Friedrich von Ems (gest. 1675) hatte die Idee einer Rheintalsperre, die aber nie errichtet wurde. 1676 wurde unter Franz Carl Anton von Ems unter Veranlassung des Kaisers eine ausführliche Inventarliste der Burg Alt-Ems erstellt. Sie beschreibt 52 Räume mit dem dazugehörenden Inventar.
Österreich. 1756 starb der vorletzte Graf Franz Rudolf von Ems. Der letzte Graf von Hohenems war Franz Wilhelm III., der in Graz in der Nacht vom 5. auf den 6. November 1759 verstarb. 1760 wurde die Burg inspiziert und schließlich auch repariert, um 360 preußische Kriegsgefangene unterzubringen. Zu wenig Wasser und zu wenig Brennholz führten zu massiven Beschädigungen der Burganlage.
Am 17. Dezember 1765 erfolgte die Übernahme der Grafschaft durch Österreich. Der Feldkircher Stadtammann Peter (1767/68) Josef Leone wurde als letzter Gefangener in den Jahren 1768 – 1770 auf Alt-Ems festgehalten. Der fortschrittliche Migrantensohn Leone war den konservativen und klerikalen Feldkirchern ein Dorn im Auge gewesen und wurde Opfer derer Intrigen und sollte lebenslange Verbannung erfahren. Kaiserin Maria Theresia reduzierte seine Haft auf ein Jahr und gewährte ihm auf Schloss Hohenems den Status eines Privathäftlings "mit eigener Zehrung" und ärztlicher Betreuung. 1770 kehrte Peter Joseph Leone nach Feldkirch zurück.
1770 kam es zum Verkauf der Festungsartillerie auf der Burg Altems. 1792 erfolgten Versteigerung und Abbruch der Burg.
- Links:
Sanierung der Ruine Alt-Ems
vorarlberg.orf.at/stories/217005/
Burgruine Alt-Ems in Hohenems Die Restaurierungsetappen in den letzten drei Jahren




