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17.06.2009

17.Juni: Vom ersten Auftrag zur Schubertiade

Franz Schubert liefert am 17. Juni 1816 sein erstes Auftragswerk: eine Kantate. Der Auftraggeber ist sein Vermieter, ein ehemaliges Mitglied der Illuminatenloge und Uni-Professor. Die Kantate ("Prometheus") gilt heute als verschollen, belegt ist hingegen ihre Uraufführung zum Namenstag des Professors am 24.7.1816.

Heinrich Joseph Watteroth. Im April 1816 erlebte Schubert eine herbe berufliche Enttäuschung. Er hatte sich um einen Musiklehrerposten in Laibach beworben, und seine Bewerbung wurde trotz Salieris Empfehlung abgewiesen. Nach diesem Scheitern quittierte er den Dienst in der Schule und zog zusammen mit Joseph von Spaun in die Innere Stadt, ins Haus des Professors Heinrich Joseph Watteroth (1756-1819) in die Erdberger Straße 17. Erstmals erhielt Schubert Geld für eine Komposition: Von Studenten des Professors bekam er einen Kompositionsauftrag und schrieb die (verschollene) Kantate "Prometheus". Unter Schuberts Leitung wurde sie zur Namensfeier des Professors am 24. Juli 1816 aufgeführt.

Watterroth, ehemaliger Illuminat und antikathoilischer Schriftsteller, sollte sich nach dem Wunsche seiner Eltern eigentlich dem geistlichen Stande widmen. Etliche Freimaurer, Illuminaten, Schriftsteller und Wissenschaftler waren Mönche oder Jesuitenschüler gewesen. Mit zehn oder zwölf Jahren waren sie von ihren Eltern Klöstern und Kollegien zur Erziehung übergeben worden. Aus dieser Generation entwichener und entlassener Zöglinge rekrutierten sich später entschiedene Vertreter der Aufklärung. Er widmete sich jedoch dem juristischen Studium und der Statistik. 1786 verlieh im Kaiser Josef II. die Professur für Reichsgeschichte, 1790 wechselte er in die Statistik und erlangte auch die Professur für politische Wissenschaften, über deren erstmalige Verbindung mit der Statistik er sich in seiner Antrittsrede verbreitete. 1786 wurde er allerdings durch den Cardinal-Erzbischof von Wien, Graf Migazzi, als "Voltairianer" heftig angegriffen und selbst der Staatsrath musste sich mit ihm beschäftigen. Seine älteren Schriften über Toleranz und die Reformation sind gänzlich im Geiste der Aufklärung zu sehen.

Später wurde er "milder" und griff auch öffentlich Sonnenfels (ebenfalls Illuminat) an. Die Literatur kritisiert gelegentlich Männer, die als Jesuiten erzogen, dann Freimaurer, Illuminaten, Rosenkreuzer und schließlich Gegner des Fortschritts wurden, als "schwankende Gestalten". Doch so waren die Zeiten nicht, dass man eine einmal bezogene Position ungebrochen durchhalten konnte. Wer sich konsequent in Richtung demokratischer Ideen entwickelte, dessen Leben endete als verpönter Halbkrimineller oder Spinner. Georg Forster, Carl Ignaz Geiger, Johann Kaspar Riesbeck, Josef Martin Prandstätter, Adolph von Knigge, Karl Friedrich Bahrdt, Gustav Friedrich Wilhelm Großmann und vielen anderen, auch aus der Wiener Szene, erging es so, auch wenn manche von ihnen das Glück hatten, nicht verurteilt zu werden.

Franz Schubert. (geb. 31.1.1797, gest. 19.11.1828) Franz Schubert stirbt bereits im 31. Lebensjahr an Typhus. Bis zu seinem Tod hat Schubert über 600 Lieder geschrieben, außerdem die Symphonien und zahlreiche Bühnenwerke. Rechnet man die Kinderjahre von Schuberts Gesamtalter ab, bleiben 18 Jahre für die Tätigkeit als Komponist. Da er beim Komponieren auch eine genaue zeitliche Ordnung einheilt, konnte berechnet werden, dass er in diesen 18 Jahren mehr als 30.000 Stunden komponierend verbracht haben muss, also über 4,5 Stunden pro Tag. Franz Schubert erhielt den ersten Musikunterricht durch seinen Vater, später dann an der Konviktschule des Stephansdomes bei Antonio Salieri. Um der Militärpflicht zu entgehen, ergriff Schubert, wie sein Vater und seine Brüder, den Lehrerberuf. Es heißt, dass er sich mit Hilfe des Rohrstocks Ruhe verschaffte, um während des Unterrichts komponieren zu können. Ab 1817 lebte Schubert als freier Künstler in Wien; zumeist wohnte er bei Freunden. Sommer 1818 und 1824 unterrichtete Schubert auf dem ungarischen Landsitz des Grafen Esterhazy dessen Töchter. Dabei verliebte er sich in Caroline von Esterhazy, hatte aber nicht den Mut, sich zu erklären. Verschiedene Bewerbungen auf Kapellmeisterstellen schlugen fehl. So lebte er, moralisch und auch wirtschaftlich unterstützt von einem Freundeskreis, zu dem einige Literaten gehörten. Er hinterließ ein umfangreiches Werk, zu dem auch 17 Bühnenwerke gehören. Seine Lieder, Kammermusik und Sinfonien sind aus dem Musikleben nicht mehr wegzudenken.

Franz Schubert und Salomon Sulzer. Im Juli 1828, in der Zeit, als Schubert an seiner Messe in Es-Dur arbeitete, vertonte er die ersten neun Verse des 92. Psalm in hebräischer Sprache für Bariton-Solo und gemischten Chor. Auftraggeber war der aus Hohenems stammende Oberkantor Salomon Sulzer (1804–1890) von der Wiener jüdischen Gemeinde. Sulzer, der für seine Baritonstimme berühmt war, sang auch bei der ersten Aufführung im Sommer 1828 die Solopartie. Sulzer war ein Reformator der Synagogenmusik. In der Folge der durch Aufklärung und Französischer Revolution eingeleiteten bürgerlichen Gleichberechtigung der Juden (sog. Judenemanzipation) gab es auch von jüdischer Seite das Bestreben, aus der jahrhundertelang erzwungenen Ghettosituation auszubrechen, sich dem gesellschaftlichen Umfeld anzugleichen und das Jüdisch-Sein im Sinne einer Konfession ähnlich einer christlichen aufzufassen. Ein Bestandteil dieser Bestrebungen war, die Musik in der Synagoge – in dem es traditionell nur den Sologesang des Kantors gab – der christlichen Kirchenmusik durch Verwendung der Orgel und des mehrstimmigen Chorgesangs anzupassen. Diesem Ziel wollte Sulzer mit der Neufassung der kultischen Musik in seinen Sammelbänden Schir Zion I und II dienen. Damit schuf er für die Judenheit eine Sammlung gottesdienstlicher Musik, vergleichbar den Kantatenjahrgängen von Johann Sebastian Bach. Für den ersten Band hatte er eine Reihe christlicher Komponisten zur Mitarbeit eingeladen, u.a. auch Franz Schubert. Dieser war entsprechend seiner undogmatischen Religiosität – wie sie sich u.a. in seinen Briefen und Notizbüchern darstellt – offensichtlich auch frei von antijudaistischen Vorurteilen, wie sie zu seiner Zeit durchaus gang und gäbe waren.

Schubertiade. Ignaz von Sonnleitner war ein Wiener Musikmäzen und aktives Mitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Er führte 1815-24 einen musikalischen Salon, in dem zahlreiche Lieder von Franz Schubert uraufgeführt wurden. Sonnleitners Hauskonzerte werden schnell "Schubertiaden" genannt und es ist ein "Muss" für kulturell Interessierte, dabei zu sein: Sänger, Musiker, Maler. Der mit Franz Schubert befreundete Maler und Zeichner Moritz von Schwind hat eine der letzten solchen Aufführungen im Jahre 1928 unter diesem Titel in einem seiner bekanntesten Bilder festgehalten. Heute finden rund um den Erdball "Schubertiaden" statt, das sind in der Regel Festivals klassischer Musik, in deren Mittelpunkt natürlich die Aufführung der Werke von Franz Schubert stehen.